Das Spiegelprinzip

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum es eigentlich immer wieder ganz bestimmte Verhaltensweisen sind, die Sie auf die Palme bringen? Warum Ihnen manchmal auch über Menschen, die sie kaum kennen – die Ihnen vielleicht gar nichts getan haben – ein abfälliges Wort über die Lippen rutscht? Und warum Sie meist ganz andere Dinge in Ihrer Umgebung beschäftigen als Ihre Mitmenschen? Hier kommt eine Erklärung, die Sie bei näherem Hinschauen noch oft in ihrem Leben beobachten können: Das Spiegelprinzip.

Die Welt, wie wir sie mit unseren Erfahrungen und Emotionen erleben, entsteht immer aus unserer individuellen Perspektive. Wir nehmen nur einen Bruchteil wahr von dem, was uns umgibt. Und was wir wahrnehmen, steht in unmittelbarem Verhältnis zu unserer Person: Unsere Umwelt spiegelt und reflektiert uns. Wir erkennen uns im anderen. So ist es eigentlich der Ärger über uns selbst, der aufblitzt, wenn wir wütend sind. Wir projizieren fröhlich unsere Schattenseiten auf unsere Umgebung. Wenn wir genervt sind oder jemanden ablehnen, verurteilen wir eigentlich Anteile in uns selbst, die wir nicht ertragen und akzeptieren können. Frieden finden wir erst dann, wenn wir diese Anteile anschauen können und bereit sind, sie liebevoll anzunehmen. Wenn wir das tun, geschieht das Zauberhafte. Dann verändert sich unsere Umgebung. Haben wir unser Thema bearbeitet, dann begegnet es uns nicht länger. Dann strahlen unsere Spiegel die Liebe zurück, mit der wir uns selbst begegnen. Unsere Spiegel laden uns ein, wachen Herzens in ihnen zu lesen. Wenn wir das erkannt haben, brauchen wir uns nicht länger ärgern, sondern dürfen die Chance ergreifen, uns zu entwickeln.

Das Spiegelprinzip

Sich über die Kollegen oder den Chef zu ärgern, ist so gängig und gesellschaftlich akzeptiert, dass man die eigene Aufregung oft gar nicht mehr hinterfragt. Meist schnappen wir uns einen anderen Kollegen, den Partner oder enge Freunde, um unserem Ärger Luft zu machen und lassen uns bestätigen, wie unmöglich das Verhalten der entsprechenden Person ist. Das hilft – zumindest kurzfristig. Ein Angestellter äußerte in einer Beratung seinen Frust über einen neuen Kollegen. Für ihn war es absolut unerträglich, wie der neue Kollege sich mit seinen Erfolgen brüstete und in breiten Anekdoten erzählte, was er in seinem Leben schon alles erreicht hatte. Diese Arroganz machte den Angestellten geradezu wütend. Der Rest der Abteilung störte sich dagegen gar nicht groß an der Art des neuen. In der Beratung wurde deutlich, wie sich dem Angestellten im Kollegen ein indirekter Spiegel zeigte. Er selbst konnte es sich nicht zugestehen, offen über seine Erfolge zu reden. Die bescheidenen Eltern hatten ihm das schon früh aberzogen. Die Tatsache, dass er selbst nicht ohne ein schlechtes Gewissen selbstbewusst über seine Leistungen sprechen konnte, sorgte dafür, dass er den Kollegen stark verurteilte. Als er sich bewusst erlaubte, stolz auf sich zu sein – ganz ohne schlechtes Gefühl – verschwand der Ärger auf den Kollegen. Mittlerweile muss er nur noch müde lächeln, wenn der Kollege es mit dem Selbstlob ein bisschen übertreibt.

Die Spiegel am Arbeitsplatz

Wer zum ersten Mal vom Spiegelprinzip liest, der ist vielleicht zunächst irritiert. Wie kann es sein, dass das, was ich erlebe, mit mir selbst zusammenhängt? Schließlich gibt es da draußen eine Realität – objektiv und unverhandelbar? Wie individuell unsere Wahrnehmung eigentlich ist, das lässt sich am leichtesten anhand von Phänomenen zeigen, die wahrscheinlich jeder aus persönlicher Erfahrung kennt: Wenn wir zum Beispiel gerade ein neues Fremdwort gelernt haben, und plötzlich begegnet es uns gleich mehrmals in derselben Woche, obwohl das Wort vorher ein ganzes Leben lang nicht existierte. Oder wenn wir verliebt sind, und uns überall der Name der Person ins Auge springt. Wir lesen dann Zeichen und sehen bedeutungsvolle Verbindungen. Vielleicht hegen wir auch den innigen Wunsch, ein bestimmtes Auto zu besitzen, und auf einmal fährt das Modell ständig an uns vorbei und parkt direkt vor unserer Haustür. Was sich bei diesen Phänomenen in ausgeprägter Form zeigt, gilt auch für unser sonstiges Erleben. Ob es sich um bestimmte Verhaltensweisen oder Begegnungen mit Menschen handelt: Wir filtern, was wir wahrnehmen. Unser Hirn funktioniert wie eine riesige Lupe.

Unser Gehirn – eine phänomenale Lupe

Beratung

In einer persönlichen Sitzung den eigenen Themen auf den Grund gehen. [mehr]

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